Delegation für die Beziehungen der EU zu Kanada
Kanada gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt lag es 2007 mit umgerechnet 1.432,14 Milliarden US-Dollar auf dem neunten Platz, bei der Kaufkraftparität mit 1.265,838 Milliarden internationalen Dollar auf Platz 13, beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf mit 43.485 US-Dollar auf Platz 14. Im Human Development Index des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, der auch nicht-ökonomische Faktoren berücksichtigt, belegt Kanada sogar den vierten Platz.
Die Exporte betrugen 2007 36,7 % und die Importe 32,8 % des BIP. Bei weitem wichtigster Handelspartner waren dabei die USA mit 76,4 % der Exporte und 65,0 % der Importe. Kanada belegt nach der EU, den USA, Japan und der Volksrepublik China den fünften Platz in der Weltaußenhandelsstatistik. Der Außenhandel ist weitgehend frei, nur in wenigen Schlüsselbereichen sind ausländische Investitionen auf Minderheitsbeteiligungen beschränkt. Mit Abstand am meisten Bedeutung besitzt seit langem der Dienstleistungssektor mit 74,7 % (2003) Anteil am Bruttoinlandsprodukt, gefolgt von der Industrie mit 26,4 und der Landwirtschaft mit 2,8 %. Sieben der zehn größten kanadischen Unternehmen - wenn man den Umsatz zugrunde legt - sind allein im Banken- und Versicherungsbereich tätig
Daher blieb auch die Weltwirtschaftskrise nicht ohne Wirkungen auf die kanadische Wirtschaft. Betroffen waren zunächst die Finanzdienstleister, die sich in Toronto ballen, wo die Toronto Stock Exchange (TSX) die drittgrößte Börse Amerikas darstellt, aber auch die Immobilienindustrie, und mit der Insolvenz von Nortel im Januar 2009 auch die Ausrüster für Telekommunikationsunternehmen. Unter diesen Unternehmen ist BCE (Bell Canada Enterprises) das älteste und größte. Im 4. Quartal 2008 gingen die Exporte um 17,5 % zurück. Die Arbeitslosigkeit lag im August 2009 jeweils bei 8,7 % (September 2007 5,9 %).
Abkommen zwischen der EU und Kanada
Abkommen über Zusammenarbeit und gegenseitige Amtshilfe im Zollbereich
Das Abkommen EG-Kanada bildet den Rechtsrahmen für die Zollzusammenarbeit und gegenseitige Amtshilfe. Es dient der Errichtung eines Gemeinsamen Zollkooperations-Ausschusses, in dem die EU durch die Kommission (Steuer- und Zoll-Generaldirektion) und Kanada durch den kanadischen Grenzschutz (Canadian Border Services Agency) vertreten sind. Das Abkommen sieht auch die Möglichkeit vor, seinen Anwendungsbereich auszuweiten und die Zusammenarbeit zu intensivieren und zu ergänzen.
Geplante Freihandelszone
Die Europäische Union und Kanada planen ihre Wirtschaftsbeziehungen auf ein neues Fundament zu stellen. So laufen gegenwärtig Verhandlungen über ein neues Wirtschafts- und Freihandelsabkommen. Für ihre Volkswirtschaften versprechen sich davon die Europäische Union und Kanada einen Schub von insgesamt rund 20 Mrd. Euro. Für die Europäische Union ist Kanada ein wichtiger Wirtschaftspartner. 2008 belief sich der beiderseitige Handel mit Gütern und Dienstleistungen auf mehr als 70 Mrd. Euro. Hinzu kommen 270 Mrd. Euro an Direktinvestitionen. Maschinen, Chemikalien, Transportausrüstung und Lebensmittel gehören zu den wichtigsten Handelsgütern, auf kanadischer Seite zudem Papierprodukte, Metalle und Mineralien.
Ständige Parlamentarische Delegation EU-Kanada
Um einen Austausch auf allen politischen Ebenen zu gewährleisten, entsandte das Europäische Parlament eine ständige Parlamentarische Delegation. Diese besteht aus 17 Abgeordneten des Europäischen Parlamentes unter dem Vorsitz von Philip Bradbourn (Europäische Konservative und Reformisten). Die Delegation trifft sich regelmäßig mit kanadischen Amtskollegen zum Informationsaustausch und erörtert zwischen den Treffen Möglichkeiten zum Aufbau oder zur Intensivierung wirtschaftlicher Partnerschaften und Kooperationen. Des Weiteren bereisen die Delegationsmitglieder selbst das Land, um sich ein Bild von der Situation und den erreichten Fortschritten zu machen.


